Freitag, 28. März 2008

Klimawandel Kontrovers

Der Zerfall des Schelfeises in der Westantarktis:
Alles nur Panikmache oder doch ein Warnsignal für den Klimawandel?

Im Februar löste sich in der Westantarktis ein riesiger Eisberg (41 x 2,5 km!) vom Wilkins-Schelfeis in der Westantarktis. Anschließend brach noch eine Eisfläche von 405 Quadratkilometern auseinander. Dieses spektakuläre Ereignis ist kein Einzelfall. Schon einige Jahre lang beobachtet man in der Westantarktis einen beschleunigten Zerfall des Schelfeises, wodurch auch die Stabilität des Festlandeises geringer wird. Ist das ein Warnsignal für den Klimawandel? Abschmelzendes Schelfeis führt nicht zu einem ansteigenden Meeresspiegel, weil es schon auf dem Wasser schwimmt. Doch droht uns ein drastischer Anstieg des Meeresspiegels, wenn auch das Festlandeis abzuschmelzen beginnt? Oder ist alles wieder nur einmal eine maßlose Übertreibung? Dazu zwei Einschätzungen...


Eisberg voraus - Weltuntergang auch ?

Die unermüdlichen Propheten der Klima-Katastrophe haben eines erreicht:
Mit einem seit Jahrtausenden normalen Ereignis wie dem Abbrechen eines Eisberges vom polaren Eisschelf versetzen sie mit Hilfe der Medien eine mittlerweile hoch-sensibilisierte und hysterieformte Weltbevölkerung jederzeit mühelos in Panik.




Kollaps des Wilkins Schelfeises
Quellen: http://news.nationalgeographic.com/ und Jim Elliott, British Antarctic Survey/AP Photo

Welche üblichen physikalischen Prozesse ständig in den 1-2 km dick gepackten Eisschilden über Antarktika und Grönland ablaufen, das hat soeben wieder der Leiter der Deutschen Kommission des Internationalen Polarjahres 2007/08 folgendermaßen erklärt: "Dort (in Grönland) wurde festgestellt, daß einer der größten Gletscher derzeit in einer unglaublichen Geschwindigkeit abschmilzt. Er bewegt sich gut 40 m pro Tag in Richtung Meer... Ob dies ein Indiz für den Klimawandel ist, ist jedoch nicht sicher... Es ist auch durchaus denkbar, daß der Gletscher durch die entstandene Eismenge und das Gewicht am Untergrund den Druckschmelzpunkt erreicht hat. Dann würde sich bildlich gesehen unter dem Eis eine Flüssigkeitsschicht bilden, auf der der Gletscher praktisch ausrutscht und sich schneller vorwärts bewegt. Wir sprechen in dem Zusammenhang auch von Ausflußzyklen. Nur weil ein Gletscher abschmilzt, muß das nicht gleich etwas mit höheren Temperaturen zu tun haben." (Dr. Reinhard Dietrich, in: Sonntags-Journal, Bremerhaven, 16.03.2008, S.2).

Dem müßte man eigentlich nichts hinzufügen, aber einige meteorologische Überlegungen, Fakten und Zusammenhänge darüber hinaus erscheinen in der derzeit wieder einmal bis in die Nähe der Hysterie angeheizten Klima-Debatte sinnvoll.

Zunächst ist festzustellen: In allen Zeiten historischen Klimawandels gab es weder eine
gleichmäßige globale Erwärmung noch eine entsprechende gleichmäßige Abkühlung. So ist das auch heute - global wie auch in der Antarktis, wie eine zusammenfassende Übersicht feststellt: "Die Sommertemperaturen sind in Teilbereichen angestiegen, in anderen Südpolarregionen ist die Temperatur in den letzten 50 Jahren konstant geblieben bzw. leicht gefallen. Der teilweise Temperaturrückgang in der Antarktis, der von den Modellen her nicht erwartet war, wird auf verschiedene Ursachen zurückgeführt." (Quelle: Beising, R.: Klimawandel und Energiewirtschaft, VGB PowerTech Service GmbH, Essen, 2006, S.127).

Die einzige größere antarktische Region, in der es in den letzten Jahrzehnten wärmer geworden ist, ist genau das Gebiet, in dem der jüngste Eisberg abgebrochen ist - die Region des Ross-Meeres. Diese Region liegt rund 1000 km südlich von Feuerland, und somit voll im Einflußgebiet einer der stärksten Windströmungen der Erde, der südhemisphärischen Westwinddrift - bei den früheren Kap-Horn-Umseglern waren diese geographischen Breiten als "Brüllende Vierziger und Fünfziger" und als "Schreckliche Sechziger" berüchtigt und gefürchtet. Daher spielen bei Eisabbrüchen in der West-Antarktis nicht nur Dicke, Temperatur und Konfiguration des aktuellen Eises eine Rolle, sondern auch Intensitäts-Schwankungen dieser Westwinde, analog zu den Zirkulations-Schwankungen in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel (z.B. NAO).
Meteorologisch wird damit klar: Intensivieren sich die Westwinde, so wird es in der Westantarktis einerseits wärmer, andererseits im Eisschelf "unruhiger" - beides beschleunigt Eisabbrüche.

Folglich hat es auch deshalb in früheren Jahrzehnten immer wieder Abbrüche riesiger und noch bedeutend größerer Eisberge gegeben. Dabei wurde z.B. in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts diskutiert, solche Eisberge nach Südafrika und vor allem Richtung Namibia zu schleppen - für die dortige Trinkwasser-Versorgung oder sogar zur Bewässerung von Trockengebieten. Solche Debatten waren möglich, denn : Der Treibstoff für Hochsee-Schlepper war billig, vor allem aber - es gab keine IPCC-Institute mit wöchentlichen Klima-Horror-Meldungen.

Bei den Eisabbrüchen am Schelf von z.B. Antarktika oder Grönland spielt immer auch die angewachsenen Eismasse eine Rolle, und da ist für den Südpolbereich zu vermelden: "In den letz­ten 30 Jah­ren hat die Mas­se der an­tark­ti­schen Eis­kap­pe zu­ge­nom­men, einen 6000-jäh­rigen lan­gen Trend um­ge­kehrt. Die Ant­ark­tis ent­hält 90 % des Ei­ses in der Welt und wächst." (Quelle: www.scienceandpolicy.org, Deutsche Übers.: M. Limburg, 8.2.07, http://www.oekologismus.de/).

Und schließlich seien Aussagen von den Direktoren des für Polarforschung hoch-kompetenten Alfred-Wegener-Instituts zum Eisverhalten zitiert:

Zunächst Vizedirektor Prof. Miller zum Gletscher-Verhalten: "Das Abschmelzen des Grönland-Eises taugt nicht für Endzeit-Szenarien" (Handelsblatt, 08.08.2007, "Wenn der Gletscher ruft - Politiker pilgern nach Grönland"), und weiter am a.O. '...auch für den Sermeq Kujalleq sieht Miller nicht schwarz: "... der Rückgang der Gletscherzunge werde in den nächsten Jahren zum Stillstand kommen".

Mit gleicher Sachlichkeit bemerkt die neue AWI-Direktorin Dr. Karin Lochte in einem FAZ-Interview (FAZ 16.11.2007, S.46) auf die Frage, ob die starken Meereisverluste im Sommer 2007 ein Indiz für die künstliche Erwärmung sei: "Das müssen wir erst noch sehen. Wir wissen heute noch nicht, ob das Teil eines Zyklus ist, ob wir in vielleicht fünf Jahren wieder mehr Eis haben...".

Beide Aussagen beziehen sich zwar zunächst auf die Arktis, haben jedoch hinsichtlich des wissenschaftlichen Gehaltes gleichermaßen Gültigkeit für die Antarktis.

Also - Entwarnung für die Eisberg-Katastrophe? Bei genauem sachlichen Hinsehen - ja!
Jedoch - die nächste Horror-Meldung (...oder müßte man besser sagen: 'Horror-Meinung') der Katastrophiker kommt bestimmt - vielleicht schon morgen!?

Dipl.-Met. Klaus-Eckart Puls
Jahrgang 1939,Schule und Abitur in Mecklenburg ;Ab 1960 Studium der Naturwissenschaften in Rostock und Westberlin.1968 Diplom in Meteorologie an der FU Berlin, dort 1969/70 Wissenschaftlicher Angestellter mit dem Forschungs-Schwerpunkt Atmosphärisches Ozon.Ab 1970 Deutschen Wetterdienst:1971-1978 Seewetteramt Hamburg (Arbeitsschwerpunkte: Seewetterdienst, Schiffsrouten-Beratungsdienst, ab 1975 Leiter der Gruppe Laderaum-/Schiffsraum-Meteorologie.10 Seereisen als Bordmeteorologe auf Fischereischutzbooten, Forschungsschiffen und Handelsschiffen.1976-1978 Mitarbeit im Normen-Ausschuß "Technoklimate" (DIN 50 019).1978-1984 Leiter der Agrarmeteorlogischen Beratungs- und Forschungsstelle Bonn.Aufbau eines zeitkritischen Beratungssystems mit den Landwirtschaftskammern: Regionale Telefonansagen, Bildschirmtext, Wochenberichte;Lehrauftrag im Fach "Agrarmeteorologie" an der Universität Bonn.1983 Mitbegründer der Stiftung Deutscher Pollen-Informationsdienst, 10 Jahre Vorstands-Mitglied.1984-2000: Leiter des Wetteramtes Essen.Nach der deutschen Wiedervereinigung zusätzlich (1990/91) Aufbau und Leitung des Wetteramtes Leipzig.Seit 1966 über 150 wissenschaftliche und populär-wissenschaftliche Veröffentlichungen zu: Wetter, Klima, Ozon, Schiffsraummeteorologie, Agrarmeteorologie, Pollenflug/Allergologie, Wissenschaftsgeschichte, Kalendergeschichte...

Der zunehmende Schelfeiszerfall in der Westantarktis ist
womöglich doch ein Anzeichen für den Klimawandel !

Blicken wir zurück. Vor genau 6 Jahren, im März 2002 zerfiel das Larsen B Eisschelf innerhalb eines Monats im Rekordtempo. Und nun im März 2008 wiederholt sich das spektakuläre Schauspiel beim Wilkins Eisschelf. Beide Schelfeisplatten befinden sich in der Westantarktis, die in den letzten Jahren -im Gegensatz zur Ostantarktis- deutlich wärmer geworden ist.


Wie sich die Bilder gleichen!
Zerfall des Larsen B Schelfeises im März 2002 (links) und des Wilkins Schelfeises im März 2008 (rechts).
Schelfeis ist eine große Eisplatte, die auf dem Wasser schwimmt, aber mit einem Gletscher an Land fest verbunden ist. Am äußeren Rand des Schelfeises brechen immer wieder Eisberge ab. Man spricht vom „Kalben“ des Schelfeises. Wenn das Schelfeis verschwindet, wandern die Festlandgletscher schneller in Richtung Meer. Die Stabilität des antarktischen Festlandeisschildes wird also geringer. Quellen:University of Colorado und http://news.nationalgeographic.com/



Wenn man nach möglichen Ursachen für die Erwärmung der Westantarktis sucht, so ist naheliegend sich die Westwindzone (Westdrift) der Südhalbkugel näher anzusehen. Diese besonders stark ausgeprägten Westwinde entstehen an der Polarfront, wo tropische Warmluft aus dem Norden und polare Kaltluft aus der Antarktis aufeinander treffen. Dort bilden sich dynamische Hoch- und Tiefdruckgebiete. Das funktioniert so: Warme Luft dehnt sich mehr in die Höhe aus als kalte Luft, so daß der Luftdruck auf der Warmluftseite der Polarfront mit zunehmender Höhe auch dementsprechend langsamer fällt. Auf der Warmluftseite bildet sich demzufolge ein Höhenhoch und auf der Kaltluftseite ein Höhentief. Am Boden ist der Luftdruck auf beiden Seiten zunächst noch gleich, denn das Gewicht der beiden Luftmassen ist ja unabhängig von ihrer Ausdehnung in die Höhe. Zwischen dem Höhenhoch der Warmluft und dem Höhentief der Kaltluft wirkt eine Gradientenkraft und löst einen starken Höhenwind (Jetstream) in Richtung Kaltluftseite, also in Richtung Südpol aus. Die Erdrotation lenkt diesen Wind nach Osten ab, wodurch sich eine Westwindzone (Westdrift) herausbildet, die sich bis zum Boden hin durchsetzt. Durch den Höhenwind verliert die Warmluftseite an Masse, so daß dort der auf dem Boden lastende Luftdruck sinkt. Es entsteht ein Bodentief. Die polare Kaltluft am Südpol, die sich kaum in die Höhe ausdehnt sondern vielmehr in Bodennähe ansammelt, bildet ein bodennahes Kältehoch aus. Von diesem Kältehoch strömt die Kaltluft in Richtung Norden und wird ebenfalls durch die Erdrotation abgelenkt, diesmal aber nach Westen. Warm- und Kaltluft begegnen sich an der Polarfront, strömen aber wegen der Ablenkung durch die Erdrotation in entgegengesetzten Richtungen aneinander vorbei. Die Temperatur- und Druckunterschiede (Gradienten) sind nicht an allen Abschnitten der Polarfront überall genau gleich groß und damit auch nicht die Windgeschwindigkeiten innerhalb des Jetstreams der Westwindzone. Durch diese Unregelmäßigkeiten beginnt der Jetstream zu mäandern und es bilden sich Rossby-Wellen.

Durch kleine Wellenstörungen wird die Höhenströmung des Jetstreams zunehmend turbulent, und es entstehen dynamische Hoch- und Tiefdruckwirbel. Diese sorgen zusammen mit den Rossby-Wellen für eine Durchmischung von Warm- und Kaltluft und damit für einen gewissen Abbau des Temperaturgegensatzes zwischen Tropen und Südpol. Die Hochdruckwirbel scheren äquatorwärts aus und bilden den subtropischen Hochdruckgürtel. Die Tiefdruckwirbel hingegen scheren polwärts aus und bewegen sich in der Westwindzone nach Osten und sorgen in den Gebieten unter ihren Zugbahnen für eine eher milde und feuchte Witterung. Die Intensität dieser Westdrift und die Stärke der dynamischen Hoch- und Tiefs hängt natürlich einmal vom Temperaturgegensatz zwischen tropischer Warmluft und polarer Kaltluft ab. Dieser ist auf der Südhalbkugel immer deutlich größer als auf der Nordhalbkugel, da die Antarktis insgesamt deutlich kälter ist als die Arktis. Deshalb sind die Sturmtiefs der Westwindzone auf der Südhalbkugel im Durchschnitt auch stärker als auf der Nordhalbkugel.

Was wäre nun bei einer globalen Erwärmung auf der Südhalbkugel zu erwarten?

Grundsätzlich sollte sich die Polarfront, also auch die Westwindzone polwärts verlagern. Ursache wäre ein „Vordringen“ der tropischen Warmluft und ein „Rückzug“ der Kaltluft in die engere Polregion. Hinzu käme aber auch noch eine Intensivierung des antarktischen Polarwirbels, wodurch wiederum die Westwinddrift verstärkt würde.
Der Polarwirbel bildet sich in der Stratosphäre, der nächsthöheren Atmosphärenschicht oberhalb der Troposphäre, in der sich die allermeisten Wettervorgänge abspielen. Der Polarwirbel ist ein Tiefdruckwirbel, der bis in die mittlere Troposphäre hinabreicht. Die Stratosphäre enthält größere Mengen an Ozon, das die für das Leben gefährlichen Anteile der von der Sonne kommenden Ultraviolettstrahlung absorbiert. Deshalb ist die Stratosphäre deutlich wärmer als die obere Troposphäre. Ein Polarwirbel bildet sich nur, wenn die Stratosphäre über dem Pol sehr kalt wird. Das passiert immer während der Polarnacht, wenn keine Sonnenstrahlen das vorhandene Ozon erwärmen können. Ein kräftiger Polarwirbel treibt den Jetstream an und verstärkt damit die Westdrift. Darüber hinaus "zieht" der stärkere Polarwirbel die Westdrift auch noch in Richtung Südpol.

Und nun aber der springende Punkt: Die gleichen Treibhausgase, welche die Temperatur am Erdboden und in der unteren Troposphäre erhöhen und deshalb auch für die globale Erwärmung verantwortlich gemacht werden, sorgen in der Stratosphäre für eine zusätzliche Abkühlung!

Die gegensätzlichen Wirkungen der Treibhausgase sollen nun kurz erklärt werden...

Der Treibhauseffekt: In der Nacht, wenn sie nicht mehr von der Sonne beschienen wird kühlt die Erdoberfläche vor allem durch Abgabe von Wärmestrahlung (Infrarot) sehr schnell ab. Die Moleküle der Treibhausgase in der Troposphäre absorbieren aber nun bestimmte ausgewählte Wellenlängen der Infrarotstrahlung des Erdbodens und geben einen Großteil davon durch Stöße an die zahlreichen Nachbarmoleküle anderer Atmosphärengase ab. Die Troposphäre erwärmt sich dabei ein wenig. Ein kleiner Teil der Wärme gelangt jedoch als infrarote Gegenstrahlung - mit derselben Wellenlänge in der zuvor absorbiert wurde - wieder zurück zum Erdboden, der dadurch langsamer auskühlt. Der Rest der Wärme wird in den Weltraum abgestrahlt. Aufgrund der verzögerten nächtlichen Auskühlung erwärmt sich der Erdboden dann später am Tage durch die Sonnenstrahlung auf höhere Temperaturen, als wenn es keine Treibhausgase gäbe. Die Erdoberfläche strahlt dann dem Temperaturanstieg entsprechend mehr Infrarotstrahlung - mit den zahlreichen Wellenlängen, die die Treibhausgase nicht absorbieren können (Infrarotfenster) - in den Weltraum ab, so daß sich ein Strahlungsgleichgewicht auf diesem höheren Temperaturniveau einstellt. Der durch den Treibhauseffekt erwärmte Erdboden gibt seine zusätzliche Wärme dann von unten an die unteren Luftschichten der Troposphäre weiter.

Die Abkühlung der Stratosphäre: In der Stratosphäre erreicht kaum noch Infrarotstrahlung vom Erdboden die Treibhausgase, da die Treibhausgase in der Troposphäre schon fast alles absorbiert haben. Die Treibhausgase in der Stratosphäre werden aber durch Zusammenstöße mit Nachbarmolekülen anderer Atmosphärengase erwärmt. Da die Luft hier schon recht dünn ist, können sie einen erheblichen Teil der Wärme in den Weltraum abstrahlen, bevor sie durch erneute Zusammenstöße mit Nachbarmolekülen wieder zurückgegeben werden kann. Diese Wärme geht der Stratosphäre damit unwiderruflich verloren. Eine Zunahme von Treibhausgasen wirkt in der Stratosphäre also abkühlend, was sich ganz besonders in der Polarnacht bemerkbar macht, wo es praktisch keine Wärmezufuhr durch die Sonne mehr gibt. Und dadurch wird auch der Polarwirbel stärker!

Fazit:
Eine Zunahme von Treibhausgasen in der Troposphäre führt zu einer globalen Erwärmung und diese führt zu einem "Rückzug" der polaren Kaltluft. Die Polarfront und die Westdrift verlagern sich demzufolge polwärts.

Eine Zunahme von Treibhausgasen in der Stratosphäre führt dort zu einer Abkühlung, so daß der Polarwirbel stärker wird. Dieser sorgt wiederum für eine stärkere Westdrift und für kräftigere Sturmtiefs.

Soweit die Theorie. Und nun zur Wirklichkeit:



Temperaturtrends in der Antarktis (1982-2004). Die Ostantarktis wird kälter, die Westantarktis aber wärmer.
Quelle:
http://earthobservatory.nasa.gov/Newsroom/NewImages/images.php3?img_id=17257

Die Ostantarktis, insbesondere das innere Festland wird zwar kälter, die Westantarktis aber deutlich wärmer. Auch die Küstenregionen der Ostantarktis zeigen schon andeutungsweise ansteigende Temperaturen. Die Erwärmung beginnt also zunächst an den Küsten, was auch zu erwarten ist, wenn sich die Westdrift polwärts verlagert und dazu auch noch stärker wird.

Das bestätigt auch die nächste Grafik, die die Kurve der Antarktischen Oszillation (AAO) zeigt...


Die Antarktische Oszillation wird stärker, was auf eine stärkere Westdrift und kräftigere Sturmtiefs hindeutet.
Quelle: http://www.lasg.ac.cn/staff/ljp/data-NAM-SAM-NAO/SAM(AAO).htm

Die Antarktische Oszillation (AAO) ist ein Maß für die Stärke der Westdrift auf der Südhalbkugel und für die Stärke ihrer Sturmtiefs. In der positiven Phase der AAO wird die polare Kaltluft von einem Jetstream mit hohen Windgeschwindigkeiten weitestgehend eingeschlossen. Die Westdrift ist stark, und es bilden sich zahlreiche, kräftige Sturmtiefs (zonale, also breitenkreisparallele Luftströmung). Sie vermischen tropische Warmluft und polare Kaltluft. Im Bereich der Zugbahnen dieser Sturmtiefs wird die Antarktis wärmer, ansonsten aber eher kälter (eingeschlossene polare Kaltluft). In der negativen Phase sind die Windgeschwindigkeiten der Westdrift eher gering, so daß der Jetstream überaus stark mäandert. Häufig bricht die Höhenströmung des Jetstreams ganz zusammen, und die polare Kaltluft kann dann weit nach Norden vordringen. Im Gegenzug stößt natürlich auch warme Luft polwärts vor. An der Polarfront bilden sich nur wenige und schwächere Sturmtiefs, so daß der Temperaturgegensatz zwischen Tropen und Südpol zunimmt. Die Antarktis wird da kälter, wo sie vorher relativ warm war und umgekehrt.

Da der Polarwirbel über der im Vergleich zur Arktis kälteren Antarktis durchschnittlich deutlich stärker ausfällt, wird die polare Kaltluft über der Antarktis auch im Durchschnitt besser eingeschlossen. Dadurch ist es in der Antarktis kälter als die Arktis, und damit wird dann auch wieder der Polarwirbel über der Antarktis entsprechend stärker. Ein sich selbst verstärkender Prozeß, eine positive Rückkopplung also.

Die polwärts verlagerte Westdrift mit ihren stärkeren Sturmtiefs sorgt anscheinend für die deutliche Erwärmung in der Westantarktis. Diese Region liegt den Zugbahnen der Sturmtiefs in der Westdrift am nächsten. Die in Süd-Nord Richtung, also meridional (dem Längengrad entlang) ausgerichtete westantarktische Halbinsel begünstigt zudem ein Vordringen relativ warmer Luft in Richtung Südpol (meridionale Luftzirkulation). Daher die deutliche Erwärmung an der Westküste dieser Halbinsel! Die Küsten der Ostantarktis verlaufen hingegegen weitgehend breitenkreisparallel, begünstigen also auch eher eine zonale (breitenkreisparallele) Luftströmung. Trotzdem ist das Wasser aber auch hier schon etwas wärmer geworden, was wohl auf die südpolwärtige Verlagerung der Westdrift zurückzuführen ist. Setzt sich die globale Erwärmung weiter fort, so dürften sich die Zugbahnen der Sturmtiefs in der Westdrift noch weiter polwärts verlagern. Dann würde auch das Schelfeis der Ostantarktis zunehmend schneller zerfallen mit allen möglichen Folgen für den Meeresspiegel!

Die veränderte Westwinddrift ist also anscheinend eine wichtige Ursache der Erwärmung in der Westantarktis und damit auch die Ursache für das verstärkte Wegbrechen des Schelfeises. Und es sieht ganz so aus, als ob auch hier die Treibhausgase und der durch sie verursachte Klimawandel dahinter stecken!

Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang natürlich auch die Rolle der Meeresströmungen. Sie laufen um die Antarktis herum und werden durch die Westdrift angetrieben. Die Meeresströmungen sind mit der Westdrift an die Antarktis herangerückt, und die Wassertemperaturen im antarktischen Meer haben durch die globale Erwärmung eindeutig zugenommen, und das Wasser erwärmt die Luft darüber. All dies zusammen erklärt sehr schön die deutlich steigenden Temperaturen in der Westantarktis und die nur leicht zunehmenden Temperaturen an den Küsten der Ostantarktis.

Doch warum ist es in der Antarktis insgesamt in den letzten 20 Jahren kälter geworden?
Eine Erklärung ist der im Durchschnitt stärker gewordene Polarwirbel, der die polare Kaltluft so gut einschließt. Eine weitere Erklärung ist das Ozonloch über dem Südpol. Ozon ist nicht nur ein guter Schutz vor tödlichen Ultraviolettstrahlen der Sonne, sondern auch ein starkes Treibhausgas. Ein Rückgang des Ozons über dem Südpol verringert dort also den Treibhauseffekt, und die Antarktis wird im Durchschnitt kälter.

Jens Christian Heuer

 
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