Freitag, 6. Juli 2007

Klimawandel

Früher Frühling in Grönland – wird die Insel wieder grün?
In Grönland beginnen die Schneeschmelze und damit auch der Frühling immer früher. Das zeigt sich in veränderten Aktivitäten von Pflanzen und Tieren gleichermaßen. Eine Langzeitstudie, von dänischen Wissenschaftlern um den Biologen Toke Høye (http://www.bi.ku.dk/staff/person.asp?ID=354), Universität Århus, die von 1996 bis 2005 andauerte ergab: Bei Pflanzen, Vögeln, Schmetterlingen und anderen Tierarten verschoben sich die Frühlingszeichen, wie Wachstum, Blütezeiten, Zeitpunkt der Eiablage und Brutzeiten innerhalb von 10 Jahren um mehr als 14 Tage nach vorne.


Quelle: Toke Høye (http://www.zackenberg.dk/start.htm)

Die Wissenschaftler halten das für ein weiteres Anzeichen für einen globalen Klimawandel, denn es gab nicht nur ein oder zwei besonders warme Jahre, wo vielleicht das Wetter einige Kapriolen schlug, sondern einen stabilen Trend über den gesamten Untersuchungszeitraum.
Toke Høye wählte einen recht extremen Ort für seine Forschungen, die dänischen Forschungsstation Zackenberg im nordöstlichen Grönland.


Die Forschungsstation Zackenberg in Nordostgönland ( Quelle: Toke Høye )

Untersucht wurden insgesamt 21 Arten der unmittelbaren Umgebung: 6 Pflanzen, 3 Vogelarten und 12 Arthropoden (Gliederfüßler), ein Stamm im Tierreich zu den Krebse, Spinnen und Insekten zählen.
Die Ergebnisse sind vielleicht noch aussagekräftiger als reine Temperaturmessungen, da Pflanzen und Tiere recht zuverlässig und deutlich auf Klimaveränderungen reagieren müssen, um durch optimale Anpassung ihr Überleben zu sichern.

Erst kürzlich ließen Messungen des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven bei der norwegischen Arktis-Insel Spitzbergen aufhorchen (http://weltenwetter.blogspot.com/2007_05_01_archive.html). Nach einem sehr milden Winter 2006/2007 registrierte man dort eine rekordverdächtig umfangreiche Eisschmelze. Das Frühjahr war in Spitzbergen um 13 Grad wärmer als normalerweise. Auch hierbei handelte es sich nicht um ein Einzelereignis, denn ein Erwärmungstrend war in Spitzbergen auch schon in den Jahren zuvor zu beobachten, nur eben nicht so dramatisch.


Bei Untersuchungen von Eisbohrkernen aus dem südlichen Grönland fand ein Team um den Wissenschaftler Eske Willerslev (http://www.bi.ku.dk/staff/person.asp?ID=175) von der Universität Kopenhagen 450.000 Jahre (!) alte DNA-Spuren, die auf ausgedehnte Wälder, hauptsächlich Nadelhölzer, und zahlreiche Insektenarten, darunter auch viele Schmetterlinge hindeuten.
Vor 450.000 Jahren gab es zumindest in Südgrönland üppige Wälder
aus Nadelhölzern und Erlen bedeckt (Quelle: Eske Willerslev, Science)

Die Temperaturen lagen damals im Sommer bei durchschnittlich über 10 Grad und sanken auch im Winter nie deutlich unter -17 Grad Celsius.. Das entspricht den klimatischen Bedingungen unter denen derartige Wälder heute vorkommen, beispielsweise in Südschweden.
Grönland war seinerzeit also wirklich ein grünes Land. Wird es bald schon wieder so kommen?
Jens Christian Heuer
Quellen:

 
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