Montag, 29. Oktober 2007

Meteorologie Wettergeschehen

Omega-Wetterlagen - mal so und mal anders

Wir erinnern uns: Der April 2007 bescherte uns eine ungewöhnliche Witterung in Mitteleuropa, mit Wetterextremen und -rekorden auch in Deutschland, denn es war außergewöhnlich warm und außergewöhnlich trocken zugleich.
Verantwortlich dafür zeichnete eine Großwetterlage, die von den Meteorologen Omega-Wetterlage genannt wird.

Wenn wir betroffen sind, so liegt über Mittel- und Nordeuropa in aller Regel ein Hoch mit Hochkeil, sowohl in den Höhen- als auch Bodenwetterkarten ausgeprägt.



Das Hochdruckgebiet über Westeuropa wird von zwei Tiefdruckgebieten
"eingerahmt" und stabilisiert. Die 3 Druckgebilde ergeben zusammen
eine Form, die an den griechischen Großbuchstaben Omega (Ω) erinnert.
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Die hierbei und in Folgendem angesprochene Reihenfolge ist bedeutsam, denn die Höhenströmung steuert dynamisch die Bodendruckgebilde. Jeweils westlich und östlich dieses Hochkeiles liegt dann ein von höheren bis in tiefere Luftschichten reichendes Tief. Bei alledem sind die vertikalen Achsen der Druckgebilde mehr oder weniger etwas "schief", d.h. die Bodendruckgebilde sind gegenüber den Druckzentren in den Höhenkarten etwas nach Osten verschoben.
Eine solche Wetterlage ist sehr stabil, denn die beiden flankierenden Tiefs stützen durch hochreichende dynamische Strömungs-Prozesse Hoch und Hochkeil. Dabei advehiert (von lateinisch advehere = heranbewegen) das westliche Tief mit einer süd- bis südwestlichen hochreichenden Strömung Warmluft gegen Hoch und Hochkeil, was aus meteorologischen (physikalischen!) Gründen eine stetige Stützung ergibt. Das östliche Tief advehiert mit einer nördlichen Strömung hochreichende Kaltluft an der Ostflanke von Hoch und Hochkeil, was deren Abdriften nach Osten verhindert.
Diese beiden atmosphärischen Strömungs-Prozesse bewirken eine sogenannte Blockierung einer planetarischen Welle, denn normalerweise schwenken Hoch und Hochkeil innerhalb weniger Tage ostwärts, und machen dem nächsten atlantischen Tief den Weg nach Europa frei. So beweist auch die Omega-Wetterlage immer wieder die meteorologische Erkenntnis: Die dynamischern Tiefs machen die Wetter-Musik in der Atmosphäre, die Hochs sind meist nur deren "Abfallprodukte"!



Höhenkarte:
Die Farben zeigen die Temperaturen im 500 hPa Niveau.
Warme Luft ist nach oben hin ausgedehnter als kalte Luft, so daß
der Luftdruck auch erst in entsprechend größerer Höhe auf 500 hPa
abgesunken ist. So ergibt sich eine 500 hPa-Fläche, als eine Art
"Landschaft" mit "Bergen" und "Tälern".
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Nach meteorologischen Statistiken der letzten 100 Jahre verändern sich solche Omega-Wetterlagen über einer Region (z.B. Europa) innerhalb von ein bis zwei Wochen nur wenig, sie sind sehr "stabil". Daraus ergibt sich unter dem Hochkeil für die Region langanhaltend eine sehr beständige, im Sommerhalbjahr warme und trockene, im Winterhalbjahr eher kühle/kalte, trockene und zu Nebel neigende Witterung. Eine Stabilität von über vier Wochen, wie im April 2007, ist zwar sehr selten, hat aber mit einem Klimawandel oder irgendeiner "Klima-Katastrophe" nicht das Geringste zu tun!
Eine interessante Variante der Omega-Wetterlage haben wir nun in der zweiten Oktoberhälfte 2007 beobachten können, insbesondere in der 42. Kalenderwoche (vgl. dazu hier Wetterkarte und Satellitenbild). Die weiter oben beschriebenen Druckgebilde sind vorhanden, aber sie liegen "schief", erstrecken sich also nicht von Süd nach Nord, sondern Bodenhoch und -hochkeil erstrecken sich von Südwest nach Nordost, und die flankierenden und zugleich stützenden Tiefs liegen nordwestlich über dem Nordmeer bzw. südöstlich über dem Mittelmeer. Es kommt dabei ebenfalls zu einer längeren Blockierung der planetarischen Wellen. Erwähnenswert noch ein auf dem Satelliten-Bild erkennbares typisches Phänomen: See-Nebelfelder über der Biskaya, der südlichen Nordsee und der Ostsee.
In Deutschland, insbesondere in Norddeutschland, bescherte uns dieses "Omega" ruhiges, trockenes und zeitweise auch sonnige Herbstwetter - nach dem Monsun-Sommer 2007 eine willkommene Abwechselung.

Diplom-Meteorologe Klaus-Eckart Puls
Jahrgang 1939,Schule und Abitur in Mecklenburg ;
ab 1960 Studium der Naturwissenschaften in Rostock und Westberlin.
1968 Diplom in Meteorologie an der FU Berlin, dort 1969/70 Wissenschaftlicher Angestellter mit dem Forschungs-Schwerpunkt Atmosphärisches Ozon.
Ab 1970 Deutschen Wetterdienst:1971-1978 Seewetteramt Hamburg
(Arbeitsschwerpunkte: Seewetterdienst, Schiffsrouten-Beratungsdienst),
ab 1975 Leiter der Gruppe Laderaum-/Schiffsraum-Meteorologie.
10 Seereisen als Bordmeteorologe auf Fischereischutzbooten, Forschungsschiffen und Handelsschiffen.
1976-1978 Mitarbeit im Normen-Ausschuß "Technoklimate" (DIN 50 019).
1978-1984 Leiter der Agrarmeteorlogischen Beratungs- und Forschungsstelle Bonn.
Aufbau eines zeitkritischen Beratungssystems mit den Landwirtschaftskammern:
Regionale Telefonansagen, Bildschirmtext, Wochenberichte;
Lehrauftrag im Fach "Agrarmeteorologie" an der Universität Bonn.
1983 Mitbegründer der Stiftung Deutscher Pollen-Informationsdienst, 10 Jahre Vorstands-Mitglied.
1984-2000: Leiter des Wetteramtes Essen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung zusätzlich (1990/91) Aufbau und Leitung des Wetteramtes Leipzig.
Seit 1966 über 150 wissenschaftliche und populär-wissenschaftliche Veröffentlichungen zu: Wetter, Klima, Ozon, Schiffsraummeteorologie, Agrarmeteorologie, Pollenflug/Allergologie, Wissenschaftsgeschichte, Kalendergeschichte...

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

..das Verb heist 'advehere'

 
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