Freitag, 14. September 2007

Wetter Aktuell

Wetterlage 13.-14. September Europa

Ein Tiefdruckgebiet auf Wanderschaft ...

Heute werden zwei Bilder des europäischen Wettersatelliten Meteosat 7 gezeigt, die im sichtbaren (visuellen) Wellenbereich aufgenommen wurden. Der Wettersatellit umkreist die Erde in einer so großen Entfernung, daß er sich mit der gleichen Winkelgeschwindigkeit bewegt, mit der sich die Erde um ihre eigene Achse dreht. Dadurch bleibt der Satellit immer genau über demselben Ort auf der Erdoberfläche. Meteosat 7 ist also geostationär.

Bild 1

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Bei der Betrachtung der Satellitenaufnahmen fällt sofort ein großer Tiefdruckwirbel südlich von Island ins Auge, der sich innerhalb der Westwindzone nach Osten bewegt. An der zellulären Bewölkung gut zu erkennen ist der Kaltluftsektor des Islandtiefes. Die dazugehörige Kaltfront wird durch ein sich nördlich, östlich und südlich davon erstreckendes Wolkenband markiert, das aus in große Höhen reichender Quellbewölkung besteht. Die Kaltfront hat bereits Schottland und Irland erreicht und sorgt dort für heftige, aber kurze Regenschauer. Große Teile Englands befinden sich aber noch im Warmluftsektor, wo die Bewölkung etwas aufgelockert ist. In Südengland ist der Himmel sogar mehr oder weniger wolkenlos. Die Warmfront mit ihrer Schichtbewölkung liegt über der Nordsee. Noch weiter östlich über den Beneluxländern und über großen Teilen Deutschlands kündigen aus Eiskristallen bestehende Cirruswolken bereits das herannahende Tiefdruckgebiet an.

Ein zweiter Tiefdruckwirbel westlich des Islandtiefes mit einer ausgedehnten Kaltfront ist am oberen linken Bildrand erkennbar.

Ein dritter Tiefdruckwirbel mit ausgedehnter Quellbewölkung und einigen Gewitterwolken (Gewitterzellen) befindet sich über dem schwarzen Meer. Das über der Meeresoberfläche verdunstende Wasser wirkt als "Treibstoff" für die Wolkenbildung.

Gut zu sehen ist auch ein Verbund zweier Hochdruckgebiete (Hochdruckbrücke), der sich von den Azoren (Azorenhoch) bis nach Mitteleuropa erstreckt. Während es über Land praktisch wolkenfrei und sonnig ist, wobei die Temperaturen aber nur langsam steigen, da die Kraft der Sonne schon deutlich nachgelassen hat, kommt es im Bereich des Azorenhochs zu einer begrenzten Bildung von Quellwolken (Stratocumulus). Das Wasser wird dort durch die recht starke Sonneneinstrahlung sehr warm, und durch die über dem warmen Wasser aufsteigende, feuchte Warmluft entwickelt sich eine leichte Quellbewölkung, die aber durch die in dem Hochdruckgebiet herabsinkende und sich dabei erwärmende Luft in ihrer Entwicklung gebremst wird,denn die Quellbewölkung kann sich nur solange weiterentwickeln, wie die aufsteigende Luft in den Wolken wärmer ist als die Umgebungsluft und damit weiter aufsteigen kann. Die absinkenden warmen Luftmassen des Hochdruckgebietes bilden daher eine Sperrschicht für die weitere Wolkenbildung (Inversion).



Stichwort: Dynamische Hoch- und Tiefdruckgebiete


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Die globale Luftzirkulation der Nordhalbkugel: Am Nordpol bildet sich bodennah ein Kältehoch und in der Höhe ein Höhentief; am Äquator durch aufsteigende Warmluft am Boden ein Wärmetief und dadurch in der Höhe ein Höhenhoch. Es resultiert eine starke Höhenströmung tropischer Warmluft (rot) vom Höhenhoch in Richtung Höhentief, die aber durch die Erdrotation (Corioliskraft) ostwärts abgelenkt wird (Westwindzone, Jetstream) und sich bis zum Boden durchsetzt. In Bodennähe entwickelt sich eine Strömung polarer Kaltluft (blau) vom Kältehoch am Nordpol in Richtung Süden, die ebenfalls von der Erdrotation abgelenkt wird. Warm- und Kaltluft treffen zusammen (Polarfront), strömen aneinander vorbei, und der Jetstream beginnt zu schwingen (Rossby-Wellen). Es kommt zu Turbulenzen, wodurch sich dann Hoch- und Tiefdruckwirbel bilden können.

Aufbau eines dynamischen Tiefdruckgebietes:
Der Höhenwind der Westwindzone wird wegen der wellenförmigen Bewegung abwechselnd beschleunigt und dann wieder abgebremst. Wird ein Teilabschnitt der Höhenströmung beschleunigt, so kann die nachfolgende, langsamere Luft nicht mithalten und es entsteht in der Höhe ein Unterdruck. Durch diese Störung der Höhenströmung wird Luft nach oben gesaugt, durch die Corioliskraft bildet sich ein Luftwirbel und auch am Boden sinkt der Luftdruck. So entsteht ein dynamisches Tiefdruckgebiet.
Warm- und Kaltluftbereiche drehen sich um das Tiefdruckzentrum, wo die Luft ständig nach oben abgesaugt wird und werden dabei vermischt. An der Warmfront, wo die warme Luft langsam über die kältere Luft nach oben gleitet, bilden sich Schichtwolken, und es fängt häufig über längere Zeit an zu regnen (Landregen). In größeren Höhen, wo es kälter ist, bilden sich Cirruswolken aus Eiskristallen. Die Kaltfront und die dahinter befindliche Kaltluft bewegen sich wesentlich schneller als die vorauseilende Warmluft, die wegen ihrer Aufstiegstendenz eine schwächer ausgeprägte Vorwärtsbewegung hat. Die Warmluft wird so nach und nach von der herannahenden Kaltluft durchdrungen, erfährt dabei, da sie leichter ist, einen starken Auftrieb, und es bildet sich eine ausgeprägte Quellbewölkung Bei kräftigen Winden kommt es zu heftigen Regen- und Hagelschauern und oft auch zu Gewittern. Der Warmluftsektor wird nach und nach zusammengeschoben. Warm- und Kaltfront vereinigen sich dann zu einer Mischfront (Okklusion). Bald ist der Warmluftsektor ganz verschwunden und das Tiefdruckgebiet löst sich langsam wieder auf.

Aufbau eines dynamischen Hochdruckgebietes:
Wird ein Bereich der Höhenströmung abgebremst, so kommt es zu einem Luftstau und damit einem Überdruck, weil die nachfolgende Luft relativ zu schnell wird. Die überschüssige Luft wird nach unten gedrückt, es bildet sich wegen der Corioliskraft ein Wirbel und damit ein dynamisches Hochdruckgebiet.
Da die Luft in einem solchen Hochdruckgebiet nach unten sinkt und sich dabei erwärmt wird eine Wolkenbildung eher erschwert.

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Über der Iberischen Halbinsel bis hin nach Nordafrika sind zahlreiche Gewitterwolken erkennbar, die sehr hell erscheinen, da sie an ihrer Oberseite das Sonnenlicht besonders gut reflektieren. Sie gehören zu einem stationären Tiefdruckgebiet (Höhentief), das innerhalb der "alten" Westwindzone liegt , die aber zusammengebrochen ist und von einer neuen, polwärts gelegenen "neuen" Westwindzone abgelöst wurde. Das Höhentief, ein Bereich kalter Luft, der von der wärmeren Umgebungsluft völlig eingeschlossen ist (Kaltlufttropfen),saugt von unten Luft an, so daß Quellwolken entstehen (Cumulus- und Cumulunimbuswolken), was länger anhaltendes Schlechtwetter mit Starkregen und Gewittern bedeutet.

Stichwort: Stationäre Hoch- und Tiefdruckgebiete

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Bild 2

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Das Islandtief ist nun weiter nach Osten gewandert. Die dazugehörige Kaltfront hat die Küstenregionen von Skandinavien, Deutschland und den Beneluxländern erreicht. Bald wird dieses Tiefdruckgebiet polare Kaltluft in das noch unter Hochdruckeinfluss stehende Mitteleuropa leiten.

Das Höhentief über der westlichen Mittelmeerregion sorgt weiterhin für heftige Gewitter.


Jens Christian Heuer

Quelle: http://www.metoffice.gov.uk

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