Freitag, 27. April 2007

Meteorologie Klimawandel

Das Jahr 2007:
Ein trockener April, wie schon lange nicht mehr,
aber seit 100 Jahren mehr Regen in Deutschland !

Der April 2007 ist in Deutschland extrem trocken.

Das bewirkt, daß von den Medien und teilweise auch von Klima-Forschern in Artikeln und Interviews in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt wird, dieser April sei der vorläufige Höhepunkt eines in Mitteleuropa und insbesondere in Deutschland anhaltenden Trends zu weniger Niederschlägen in den letzten 100 Jahren.

Nach Veröffentlichungen des Deutschen Wetterdienstes ist das genaue Gegenteil richtig: Innerhalb der vergangenen 100 Jahre (1901-2000) hat der Niederschlag im Flächenmittel aller 16 Bundesländer um 66 Liter/m2 (entsprechend fast 10% im Laufe der 20. Jahrhunderts) zugenommen (Quelle: Deutscher Wetterdienst, Offenbach a.M., Jahresbericht 2001, S.41; vgl. Tabelle).


Tabelle durch Anklicken vergrössern!

Dabei weisen die Jahreszeiten Herbst (+17mm/+9%), Winter (+33mm/+21%) und Frühling (+22mm/+14%) alle eine deutliche Zunahme an Niederschlägen auf, lediglich für den Sommer ergaben die Messungen eine geringfügige Abnahme von 7mm/3%.

Außerdem wird von Medien und etlichen "Klima-Experten" vermittelt, dieser April sei wegen seiner Trockenheit ein Signal einer beginnenden "Klima-Katastrophe". Dabei wird nicht berücksichtigt, daß selbst in Deutschland mit seinem weltweit überdurchschnittlich guten meteorologischen Meßnetz kaum über mehr als 100 Jahre flächendeckende zuverlässige Niederschlags-Messungen vorliegen. Das deckt gerade mal ein Prozent des Zeitraumes der jüngeren Klima-Geschichte seit Ende der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren ab. Man kann folglich davon auszugehen, daß es in Mitteleuropa und somit auch auf dem Gebiet des heutigen Deutschland sogar in näherer Klima-Vergangenheit schon noch extremere April-Monate bezüglich Trockenheit und Wärme gegeben hat.

Derzeit wird die trocken-warme Witterung verursacht durch eine sogenannte "Omega-Wetterlage", bei der ein Hochdruckgebiet von jeweils einem östlich und einem westlich liegenden Tief eingekeilt und stabilisiert wird. Dabei hat die Höhenströmung (Jetstream) die Gestalt eines griechischen "Omega-Buchstaben".




Eine Omega-Wetterlage wird durch Veränderungen des Jetstreams ausgelöst
Die Omega Formation Ω ist rechts unten gut zu erkennen (Quelle: Wikiservice.at).

Eine solche zu ständiger Regeneration neigende Wetterlage hat erhebliche Zeiträume dieses April-Monats bestimmt, und sie soll nach den Prognosen der Wetterdienste über den 26.des Monats hinaus weiter anhalten. Blockierende Wetterlagen dieser Art sind den Meteorologen seit mehr als 100 Jahren gut bekannt, und daher meteorologisch keineswegs eine Besonderheit des derzeitigen weltweiten Erwärmungs-Trends.

Wieder einmal wird einer ohnehin schon verunsicherten Öffentlichkeit ein Katastrophen-Szenario vermittelt, das ausgehend von einem einzigen extremen Witterungsereignis wie dem diesjährigen April in die weitere Zukunft projiziert wird.


Diplom-Meteorologe Klaus-Eckart Puls

Jahrgang 1939,Schule und Abitur in Mecklenburg ; ab 1960 Studium der Naturwissenschaften in Rostock und Westberlin.1968 Diplom in Meteorologie an der FU Berlin, dort 1969/70 Wissenschaftlicher Angestellter mit dem Forschungs-Schwerpunkt Atmosphärisches Ozon. Ab 1970 Deutschen Wetterdienst:1971-1978 Seewetteramt Hamburg (Arbeitsschwerpunkte: Seewetterdienst, Schiffsrouten-Beratungsdienst, ab 1975 Leiter der Gruppe Laderaum-/Schiffsraum-Meteorologie.10 Seereisen als Bordmeteorologe auf Fischereischutzbooten, Forschungsschiffen und Handelsschiffen.1976-1978 Mitarbeit im Normen-Ausschuß "Technoklimate" (DIN 50 019).1978-1984 Leiter der Agrarmeteorlogischen Beratungs- und Forschungsstelle Bonn.Aufbau eines zeitkritischen Beratungssystems mit den Landwirtschaftskammern: Regionale Telefonansagen, Bildschirmtext, Wochenberichte;Lehrauftrag im Fach "Agrarmeteorologie" an der Universität Bonn.1983 Mitbegründer der Stiftung Deutscher Pollen-Informationsdienst, 10 Jahre Vorstands-Mitglied.1984-2000: Leiter des Wetteramtes Essen.Nach der deutschen Wiedervereinigung zusätzlich (1990/91) Aufbau und Leitung des Wetteramtes Leipzig.Seit 1966 über 150 wissenschaftliche und populär-wissenschaftliche Veröffentlichungen zu: Wetter, Klima, Ozon, Schiffsraummeteorologie, Agrarmeteorologie, Pollenflug/Allergologie, Wissenschaftsgeschichte, Kalendergeschichte...

Literatur:
Die Entstehung des Jetstreams wird beschrieben in dem Beitrag
"Die Wettermaschine"auf diesem Blog...
http://weltenwetter.blogspot.com/2006_12_01_archive.html

1 Kommentar:

Planck hat gesagt…

Mir ist unverstaendlich, wie man ueber diesen April eine meteorologische Zusammenfassung schreiben kann ohne auch nur zu erwaehnen, dass es der waermste und fuer weite Teile Englands/Benelux/Deutschlands/Frankreichs der trockenste und sonnenreichste Monat seit Beginn der Beobachtungen war. Die CET oder DeBilt ist noch nicht raus, aber es sollte dort sicher fuer den 300 Jahresrekord reichen.
Einseitige Wahrnehmung?

 
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